Tagebuch 07.04.-30.04.2015

07.04. und 08.04.2015

Mit dem Zug geht es nach Frankfurt und mit dem Flieger weiter nach Washington D.C.

Als Haushaltsausschuss, zuständig für das Auswärtige Amt, wollen mein Kollege Alois Karl (CSU) und ich, begleitet vom Außenministerium, uns unsere Liegenschaften und Organisationen ansehen, die aus unserem Haushaltstitel Zuweisungen erhalten. Washington ist unsere erste Station. Hier besuchen wir den German Marshall Fond, aber auch die deutsche Botschaft und die deutsche Schule. Bei den Sanierungsarbeiten an der dt. Botschaft, ein Eiermann-Bau, fällt mir einmal mehr auf, dass unsere duale Ausbildung doch etwas wert ist. Nur ein kleines Beispiel: bei uns käme man wohl nicht auf die Idee, einen Zähler in zwei Meter Höhe anzubringen und ihn dann noch auf den Kopf zu drehen...

Und noch etwas: Leute, ich rege mich nie wieder über deutsch Straßen auf! Ja, in Deutschland muss viel in die Infrastruktur gesteckt werden, aber in den USA auch. Es ist leider gar nicht komisch, wenn ein Amerikaner dann mit zwinkerndem Blick Dich fragt: was macht ein Amerikaner, wenn die Straßen schlecht sind? Er kauft sich einen Geländewagen! 

Doris BarnettAm Morgen des 08.04. empfängt uns unser Botschafter in der Residenz, unweit der Botschaft, zu einem Briefing und Frühstück. Dr. Wittig war zuvor "unser" Mann, also Botschafter, bei der UNO in New York. Er ist bestens vernetzt und kann uns wirklich zu vielen Fragen, die wir haben, ausführlich informieren. Dann gehen die Besuche weiter - bei wenig angenehmen Wetter. Überhaupt ist es hier so kühl wie bei uns zu Hause.

Am Abend fahren wir alle mit dem Zug nach New York. Auch eine interessante Erfahrung. Weil es schon nach 18:00 Uhr ist, bekommen wir von der vorbeirauschenden Landschaft nur sehr wenig mit. Nun, unser Gleisbett ist "ruhiger", viel ruhiger...

New YorkWir checken mitten in New York ein, auf Manhattan. Wenn ich aus meinem Fenster schaue, dann spiegelt sich das Chrysler-Gebäude darin.

 

09.10.15 - New York

Im Deutschen Haus, das wir vom Hotel aus schneller zu Fuß als mit einem Taxi erreichen, treffen wir Vertreter des Goethe-Instituts, des DAADs und des Hauses der Innovation und Wirtschaft. Wir erfahren hier viel -nicht zuletzt, weil man ja auch nachfragen kann- über die Tätigkeit der Institutionen, wie sie aufgestellt sind, mit wem sie zusammenarbeiten. Hier sind alle erfolgreich am Arbeiten und strengen sich redlich an, nicht nur Vorgaben zu erfüllen, sondern auch mal was Neues zu versuchen, andere Wege zu gehen. Wir Berichterstatter sind zufrieden.

USANatürlich gehört auch ein Abstecher AM Weißen Haus (nicht IM Weißen Haus) dazu.

Das Haus in der 5th Avenue gegenüber des "Museum of Modern Art" (MoMa) besichtigen wir auch und warten gespannt auf ein neuen Nutzungskonzept.

Am Abend ging es mit erheblicher Verspätung von NY nach Los Angeles, wo ich dann kurz vor Mitternacht ankam.

 

 

 

 

Sonntag, 12.04.2015

Am Sonntag Nachmittag kommen vom Bildungsträger VFBB aus Speyer Frau Eberle und Frau Schaaf in Los Angeles an. Wir setzen uns zusammen und besprechen die nächsten drei Tage, in denen wir unser deutsches duales Ausbildungsmodell hier in der Region vorstellen und eine Ausbildungspartnerschaft anstoßen wollen.

 

Montag, 13.04.2015

Am Morgen treffen wir uns mit dem deutschen Generalkonsul, Dr. Bernd Fischer (ein Pfälzer - er kommt aus Kaiserslautern!), und fahren zum Santa Ana College. Hier warten Lehrpersonal und auch Leute aus der Wirtschaft auf uns. Frau Eberle stellt das Projekt vor, das sie auf amerikanische Bedürfnisse angepasst hat. Natürlich gibt es auch viele Nachfragen. Anschließend erhalten wir einen Rundgang in die Werkstatt, die man für den Bereich Kfz-Mechatronik eingerichtet hat. 

Von hier geht es weiter zum South Bay Workforce Investment Board. Hier sind Unternehmer und die Handelskammer zusammen und wollen auch erfahren, wie wir eine Ausbildungspartnerschaft gestalten können.

Gegen 17:00 Uhr treffen wir im Generalkonsulat ein und besprechen die Erlebnisse und Diskussionen des Tages. Gerne hätten wir auch den Vertreter von VW dabei gehabt, aber leider musste er wegen einer Automesse absagen.

  

Dienstag, 14.04.2015

Doris BarnettHeute geht es zum Los Angeles Trade Technical College. Die stellvertretende Direktorin begrüßt uns und erläutert uns die Aufgaben ihrer Einrichtung. Diese ist fast so etwas wie eine Berufsschule bei uns, es gibt Lehrwerkstätten, aber auch ganz klassische Unterrichtsräume/Hörsäle wie bei unseren FHs. Später kommt noch der Direktor dazu, der früher auch der stellvertretende Bürgermeister von Los Angeles war. Die Politik ist auch hier sehr daran interessiert, jungen Menschen eine Chance zu verschaffen, damit sie sich den Lebensunterhalt selbst verdienen können. Doris Eberle erläutert ihren Vorschlag der Ausbildung - aber in Modulen, was denarbeitenden Studenten sehr Entgegenkommen würde.

Wir erhalten einen Rundgang durch die Kfz-Werkstatt, die im Laufe der Jahre immer weiter gewachsen ist. Mittlerweile würde die Anschaffung dieser Werkstatt $40 Mio. kosten. Diese Bildungseinrichtung kann über Anmeldungen für eine Ausbildung nicht klagen, es gibt eine Warteliste von 1,5 Jahren.

  

Mittwoch, 15.04.2015

USAHeute geht es nach San Diego. Auch hier sprechen wir vor Leuten aus dem Bildungsbetrieb (incl. der Dekanin der UC SD), Werkstattbesitzern, Kammermitgliedern. Der deutsche Honorarkonsul vor Ort, Dr. Sebastian Hollmann, hat die Runde zusammengestellt, weil er selbst seit vielen Jahren in San Diego lebt und die Lücken im Ausbildungssystem gut kennt. Auch hier kennen die Anwesenden ein Problem, das auch uns geläufig ist: die Eltern wollen, wenn es irgend möglich ist, dass ihre Kinder studieren (keine schmutzigen Hände haben). Dabei kostet ein Studium in den USA wirklich viel Geld ($50.000 pro Jahr ist eher die Regel!), und eine Garantie auf einen Arbeitsplatz ist das noch lange nicht! 

Hier in San Diego besuchen wir auch noch eine Partner-Schule, an der deutsch unterrichtet wird.

 Na, mal sehen, ob ich das AEG in Frankenthal dafür interessieren kann.

Ich verabschiede mich dann von den Gästen aus Speyer und werde zu meinem nächsten Termin gebracht. Alle Teilnehmer/Redner der Tagung der Chapman Universität treffen sich zum Kennenlernen zu einem Abendessen. Ich freue mich, dass unser Generalkonsul mich begleitet. Er wird als ausgewiesener außenpolitischer Kenner demnächst eine Professur an der Uni antreten. Das wird sicherlich auch dazu führen, dass man sich mit der europäischen Sichtweise der Weltpolitik mal auseinander setzt.

 

Donnerstag, 16.04.2015

Heute Morgen geht es zeitig los. Um 8:00 Uhr werden wir Redner vom Hotel abgeholt und zur Uni gebracht. Es geht um "Frozen Conflicts", also die noch schwelenden internationalen Konflikte wie die in der Ukraine, Moldavien, Georgien, Aserbaidschan und Armenien, Nordirland usw. Ich trage als erste vor. Dann geht es noch bis 17:00 Uhr weiter.

Am Abend hat mich mein Sohn in den Soho-Club von LA eingeladen, wo sich die "Reichen und Schönen" und auch Film- und Fernsehstars treffen. ehrlich: ungeschminkt erkenne ich die Leute kaum....

 

Am Freitag, 17.04.2015 geht es zum Flieger und in Richtung Deutschland.

Am Samstag, 18.04.2015, komme ich an und kann wenigstens die nächsten 30 Stunden zu Hause verbringen, bevor es mit dem Zug in Richtung Straßburg geht, zur nächsten Sitzungsrunde des Europa-Rates - die Sitzungswoche des ER und des Bundestages überschneiden sich diese Woche mal wieder. 

Bis Dienstag bleibe ich in Straßburg und nehme an den verschiedenen Sitzungen Teil, bevor ich am Dienstag Abend zurück nach Berlin fliege.

Vom Mittwoch, 22.04., bis Freitag, 24.04., bin ich in Berlin - und abends geht es mit dem Flieger nach Mannheim.

Nun ja, auch jetzt ist mein Aufenthalt nicht besonders lang, denn es geht am Samstag Abend nach Kopenhagen, weil am Sonntag, 26.04., um 9:00 Uhr, die Präsidiumssitzung anfängt. und die ist außerordentlich wichtig, weil wir heute einen neuen Generalsekretär für die OSZE PV zu wählen haben! Insgesamt 7 mal füllen wir unsere Stimmzettel aus, dann haben wir ein eindeutiges Ergebnis: mit 15:5 Stimmen wird der Italiener Roberto Montella gewählt.

Am Abend sind wir Gast der dänischen Delegation und werden zum Essen eingeladen.

Am Montag, 27.04.2015, haben wir ein weiteres Seminar der Reihe "Helsinki +40", in dem wir über Fortschritte und Rückschläge informiert werden. Abends geht es wieder mit dem Flieger nach Frankfurt und mit dem Zug nach Mannheim. Es ist wieder spät.

Zu Hause heißt es: Koffer umpacken, denn am nächsten Tag, Dienstag, 28.04.2015, fahre ich mit dem Auto nach Luxemburg. Der Unterausschuß EU des Haushaltsausschusses hat hier Gesprächstermine mit verschiedenen Europäischen Einrichtungen. Unsere Botschafterin gibt uns einen interessanten Einblick in ihre Erfahrungen mit den Institutionen. Auch für uns gibt es mehr als nur ein "Aha"-Erlebnis. So wäre das Europäische Statistikamt (EUROSTAT) sehr froh, wenn alle Ebenen der öffentlichen Hand die Doppik umsetzen würde. Aber Politik ist keine Statistik und der Staat ist kein Unternehmen mit einem Unternehmenswert, der abgeschrieben wird... Interessant wird es dann wieder bei der EIB, der Europäischen Investitionsbank. Sie finanziert Projekte, vergibt also keine Darlehen. Das werde ich den Kämmerern meines Wahlkreises mitteilen, weil die EIB auch interessiert ist, mit Kommunen ins Gespräch zu kommen. Und der Direktor, Dr. Hoyer, ist Deutscher.

Am Mittwoch, 29.04.2015, geht es nach dem Gespräch mit der EIB auf den Heimweg, der dieses Mal sogar schneller ist als der Hinweg (muss etwas mit der Raum-Zeit-Krümmung zu tun haben.

 

Donnerstag, 30.04.2015

Heute Morgen haben wir eine Sitzung des VFBB, bei der wir über die Geschäftsentwicklung des gesamten Vereins informiert werden. Es läuft wieder gut, es gibt eine große Nachfrage in fast allen Geschäftsbereichen. Auch wird über das Projekt "Ausbildungspartnerschaft" berichtet.

Nachdem ich um 14:00 Uhr wieder zu Hause bin, will ich endlich mal zur Ruhe kommen, wenigstens für ein paar Stunden - und das in den eigenen vier Wänden!