Festgesetzte OSZE Militärbeobachter

Lieber Kollege Kovalev,

als Parlamentarierin und Mitglied unserer derzeit wahrscheinlich wichtigsten Organisation, der OSZE PV, denke ich mit großer Anerkennung zurück an unser letztes Treffen am 11. April 2014 in Wien. Dort haben wir, die frei gewählten Parlamentarier, bewiesen, dass mit dem Willen zur Verständigung, zu guten Ergebnissen für die Menschen, die wir repräsentieren, es gelingen kann, selbst in kritischen Situationen Lösungen zu finden. Ich bin sehr froh darüber, dass meine hoch geschätzten russischen und ukrainischen Kollegen zu ersten Verständigungen gekommen sind und weitere Treffen in Aussicht gestellt haben.

Leider scheinen sich in der Ukraine Situationen zu bilden, auf die kaum ein Außenstehender Einfluss zu haben scheint. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass eine OSZE-Militär-Delegation von Separatisten einfach "gefangen genommen" und wie Kriegsgeiseln behandelt werden. Eine solche Entwicklung kann von keinem OSZE-Mitgliedsstaat hingenommen werden. Anarchie ist für die Bevölkerung ein schlimmes Übel, weil sie Rechtsstaatlosigkeit und somit Unrecht, Angst und Schrecken bedeutet.

Aus diesem Grunde komme ich heute zu Ihnen und bitte Sie, aktiv mitzuhelfen, dass sich die Lage in der Ostukraine entspannt, dass Separatisten sich zurückziehen, dass die Bürger wieder ihr Land zurückbekommen und selbst über ihre Zukunft entscheiden können. Wir können es nicht dulden, dass selbsternannte Anführer mit Waffengewalt diktatorische Machtbefugnisse an sich reißen! Eine solche Entwicklung dulden wir nirgends, weder bei Ihnen in Russland noch bei uns in der Bundesrepublik.

Deshalb hege ich die Überlegung, gemeinsam mit Ihnen und unserem ukrainischen Kollegen, Herrn Oleg Zarubinskyi, in der Ostukraine mit an friedlichen, politischen Lösungen Interessierten das Gespräch zu suchen, und zwar noch vor dem 25.05.2014, dem Tag der Präsidentenwahl. In Wien haben Sie und Kollege Zarubinskyi bewiesen, dass trotz aller Meinungsverschiedenheiten ergebnisorientierte Zusammenarbeit möglich ist. Das sollten wir doch nutzen!

Bitte helfen Sie mit, dass die OSZE-Militärbeobachter schnellstens wieder freigelassen werden, dass es zu Gesprächen mit den Politikern vor Ort kommt, dass die Ukraine - insbesondere aber seine Menschen - wieder zur Ruhe finden können. Für Ihre ganzen Mühen und Hilfen bin ich Ihnen außerordentlich dankbar und bin auch jederzeit bereit, selbst an Gesprächen teilzunehmen, wenn ich damit helfen kann.

Mit den besten Grüßen

 
Doris Barnett, MdB
Geschäftsführende Leiterin der
deutschen Delegation in der OSZE PV

Detained OSCE military observers

Dear Colleague,

As a parliamentarian and member of what is probably currently our most important organisation, the OSCE PA, I look back with great recognition to our last meeting on 11 April 2014 in Vienna. At that meeting, we as freely elected parliamentarians proved that, where there is a will to achieve agreement, to achieve positive results for the people we represent, it is possible to find solutions even in crisis situations. I am very pleased that my highly esteemed Russian and Ukrainian colleagues were able to achieve initial agreements and create a perspective for further meetings.

Unfortunately, situations are apparently developing in Ukraine in which seemingly scarcely any external actors are able to exert influence. I cannot find any other explanation for the fact that an OSCE delegation of military observers can simply be “taken prisoner” by separatists and treated like hostages of war. No OSCE Member State can accept a development of this kind. Anarchy is a terrible thing for the population, since it means the absence of the rule of law and thus injustice, fear and horror.

That is why I am approaching you today, to ask you to actively help in easing tensions in eastern Ukraine, so that the separatists withdraw, the citizens regain their country and are able to decide themselves on their future. We cannot tolerate self-proclaimed leaders seizing dictatorial powers through force of arms! We would not tolerate a development of this kind anywhere, whether in your country, Russia, or at home in Germany.

That is why I have come up with the idea of cooperating with yourself and our Ukrainian colleague, Mr Oleg Zarubinskyi, to seek dialogue with those in eastern Ukraine interested in peaceful political solutions – in advance of the presidential elections on 25.05.2014. In Vienna, you and our colleague Mr Mr Nikolay Zarubinskyi demonstrated that results-oriented cooperation is possible despite all disagreements. Surely, we should take advantage of this!

Please help to ensure that the OSCE observers are released as soon as possible, that talks with politicians in the region are possible and that Ukraine – especially its people – can return to a state of calm. I am extremely grateful to you for all of your efforts and assistance and am willing to take part in talks myself if I can assist.

Yours sincerely,

Doris Barnett, Member of the Bundestag
Acting Head of the
German Delegation to the OSCE PA