Biographie

Von der Arbeitertochter zur Bundestagsabgeordneten
 
Doris BarnettWährend meiner Schulzeit in den 60-er Jahren sah die Welt noch anders aus. Auch wenn mein Vater auf Seiten der Arbeiterschaft hoch aktiv war, so war für seine Töchter doch keine höhere Bildung oder ein besserer Beruf das Ziel: Mädels heiraten sowieso und scheiden wegen der Kinder aus dem Beruf aus, also brauchen junge Frauen auch nicht allzu viel Bildung, war damals gängige Meinung. Dem entsprechend erhielt ich nach Volks- und Hauptschule vom Arbeitsamt den Vorschlag, der wohl für ein Arbeiterkind passend schien: ich sollte Verkäuferin werden.
Inzwischen ist es ja während der sozialliberalen Regierungszeit so geworden, dass eine umfassendere Bildung zum Allgemeingut gehört. In meinem Fall jedoch bedurfte es großer Beharrlichkeit und mancher Unterstützung von Lehrern und anderen, damit mein Leben und meine Berufsausbildung die Richtung nahmen, die mich schließlich in den Deutschen Bundestag führten.
 
Lernen macht Spaß!?
 
Wissbegierig wie ich war, fand sich immer eine Lösung. Ich gehörte zu dem Jahrgang, der nach der 8. Klasse Volksschule noch eine neunte Klasse "draufsetzen" durfte. Die Zeugnisse waren so ausgezeichnet, dass meine Lehrerin dringend anriet, zumindest die Mittlere Reife zu ermöglichen. So besuchte ich die Staatliche Handelsschule. Das Rüstzeug, das ich dort mitbekam, heute "Kulturtechnik" genannt, unter anderem "Steno" (180 Silben in der Minute) und "Schreibmaschine" (270 Anschläge auf einer mechanischen Maschine in der Minute), war später beim Studium sehr nützlich. Mein Abschlusszeugnis war das der Jahrgangsbesten. Allerdings berechtigte dieser Abschluss damals zu keiner weiterführenden Bildungsmöglichkeit in Rheinland-Pfalz.
Ein in Ludwigshafen geplantes Wirtschaftsgymnasium sollte erst ein Jahr später eröffnet werden. Da war mein Vater dafür, dass ich bei unserer großen Fabrik, der BASF, eine Arbeit aufnehmen sollte.
Ich begann also ein Leben als einfache Angestellte in der Rechtsabteilung des Unternehmens. Hätte sich daran nichts geändert, so hätte ich mittlerweile schon über 31 Beschäftigungsjahre "auf dem Buckel". Jedoch sollte der Einblick in die juristische Sparte später Bedeutung gewinnen.
 
Unterstützung für den Gymnasiums-Besuch?
 
Denn als besagtes Wirtschaftsgymnasium in Ludwigshafen dann seine Tore öffnete, bewarb ich mich nach einer längeren Debatte mit meinem Vater um einen Platz an dieser Schule. Heute noch dankbar bin ich unserem damaligen Oberbürgermeister, Dr. Werner Ludwig, der meinem Vater dringend riet, ein Kind doch lernen zu lassen, wenn es dies denn freiwillig wolle.
Gemeinsam mit 31 anderen ausgesuchten Schülerinnen und Schülern aus Ludwigshafen und der Region war ich also Mitglied der allerersten Klasse auf dem Wirtschaftsgymnasium! Dieser besondere Zirkel kommt noch immer zu regelmäßigen Treffen zusammen. Leider kann ich oft nicht dazu kommen. Politiker haben kein echtes Privatleben, Familienleben findet praktisch in der Öffentlichkeit statt. - Nun ja, auf jeden Fall absolvierte ich mit meinen Klassenkameradinnen und -kameraden erfolgreich das Wirtschaftsgymnasium und schrieb mich dann an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz ein.
Für meine Wahl von Jura als Studienfach kam nun doch noch einmal die BASF ins Spiel. Die vielen juristischen Zeitschriften und Bücher in der dortigen Rechtsabteilung hatten mich neugierig gemacht und mein Interesse für diese Materie geweckt. So hatte ich letztendlich zu der Zeit schon die Entscheidung für mein späteres Studium getroffen.
 
Mit Beharrlichkeit und scharfem Auge weiter kommen?
 
Ob mein Lebenslauf ein typisch sozialdemokratischer ist, kann ich nicht sagen. Zwar kann man meine Schullaufbahn nicht als kerzengerade bezeichnen, wohl aber als konsequent. "Konsequenz" ist vielleicht auch ein typisches Wesensmerkmal von mir: ich setze mir ein Ziel und arbeite darauf zu, auch wenn dabei einige Umwege in Kauf zu nehmen sind. Vielleicht ist das Pfälzer Mentalität. Uns sagt man ja nach, stur zu sein - da ist sicherlich etwas dran. Zur Konsequenz kommt Zuverlässigkeit. Und Zuverlässigkeit ist etwas, was man in der Politik braucht. Die Menschen, die mich gewählt haben, müssen sich auf das, was ich als die von ihnen Abgeordnete tue, verlassen können. Und noch eines muss eine Person können, die sich an vorderer Position für andere einsetzt: kämpfen. So ist es wohl kein Zufall, dass mein Sport beim TSG Friesenheim und dann an der Universität das Florett-Fechten war. Eine Finte schon im Ansatz zu erkennen und sie sofort zu parieren, das habe ich dort mit Begeisterung auf der Fechtbahn geübt. Klar, dass solche Fähigkeiten im politischen Leben sehr nützlich sind.
Wie es nach dem Examen weiterging, das ist schnell beschrieben.
Ich sammelte Berufserfahrung in der Gewerkschaftsverwaltung, war in der Personalabteilung der Technischen Werke Ludwigshafen angestellt, wurde schließlich Leiterin des Sozialverwaltungsamtes meiner Heimatstadt. 1994 zog ich erstmals in den Bundestag ein. Schon sehr früh, mit 16 Jahren, war ich Mitglied der SPD geworden und sammelte Erfahrungen an der politischen Basis. Das ist eine ganze Menge Wissen und Können, die ich in meine Position als Abgeordnete des Bundestages einbringe.
 
Ein Ohr für die Menschen haben?
 
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das Leben nicht immer eitel Sonnenschein ist, nicht immer alles so geht wie gewünscht. Deshalb stehe ich zur Verfügung, wenn es darum geht, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, Menschen zu helfen, ihren Weg zu gehen. Oft klappt das, manchmal aber trotz aller Anstrengungen nicht.
Meine feste Überzeugung ist: wenn wir alle an einer Sache konsequent und aufrichtig arbeiten, dann kann das Ziel auf jeden Fall erreicht werden.
 
Mein Lebenslauf in der Kurzübersicht:
 
Name: Doris Barnett, geb. Frenzel
Geburtsdatum: 22. Mai 1953
Geburtsort: Ludwigshafen
Beruf: Juristin
Familienstand: verheiratet, ein Sohn
 
Schul- und Berufsausbildung
 
1967 bis 1969 Staatliche Handelsschule
1969 bis 1970 Schreibkraft bei der BASF AG, Ludwigshafen
1970 bis 1973 Wirtschaftsgymnasium, Abschluß: Abitur
1973 bis 1982 Jurastudium am der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, Abschluß: 2. Staatsexamen
 
Beruflicher Werdegang
 
1983 bis 1988 beim DGB und vier Jahre bei der Gewerkschaft ÖTV, Bezirksverwaltung Rheinland-Pfalz in Mainz
1988 bis 1992 Personalabteilung Technische Werke Ludwigshafen AG, Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat
1992 bis 1994 Leiterin des Sozialverwaltungsamtes der Stadt Ludwigshafen
 
Politischer Werdegang
 
seit 1971 Mitglied der SPD
seit 1990 Stellvertretende Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Ludwigshafen
seit 1991 Mitglied im Landesvorstand der SPD Rheinland-Pfalz
1993 bis 1999 Bezirksvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen ASF
seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages
 
Auszeichnungen
 
2016 Bundesverdienstkreuz

Funktionen & Vereine

Mitgliedschaft in Bundestagsgremien:

  • Mitglied im Haushaltsausschuss
  • Parlamentarische Versammlung (PV) der OSZE - Vizepräsidentin der OSZE-PV und Leiterin der Deutschen Delegation und Mitglied im Wirtschaftsausschuss
  • Parlamentarische Versammlung des Europarates - Mitglied des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und nachhaltige Entwicklung (LINK)
  • Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union - stellv. Mitglied
  • Interparlamentarische Union - stellv. Mitglied
 
Funktionen in der SPD-Bundestagsfraktion:
  • Fraktionsvorstand - Mitglied
  • Mitglied der Europapolitischen Kommission des Parteivorstands
  • Mitglied der Grundwertekommission
 
Parteifunktionen:
  • seit 2008 Mitglied im Vorstand des Unterbezirks Vorderpfalz
  • seit 1992 Mitglied im Landesvorstand der SPD Rheinland-Pfalz
  • seit 1990 stellvertretende Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Ludwigshafen
  • seit 1984 im Ortsvereinsvorstand Ludwigshafen-Oggersheim
 
Funktionen in Firmen und Vereinen:
 
Vereinsmitgliedschaften:
  • Arbeiterwohlfahrt
  • Arbeitsgerichtsverband
  • Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz e.V ., Kaiserslautern
  • Deutsche Gesellschaft der Freunde des Weizmann-Instituts e.V., Bonn
  • Europa-Union Deutschland
  • Förderverein Gräfenauschule Hemshof e.V., Ludwigshafen
  • Förderverein Jakobus-Kirche, Ludwigshafen-Oggersheim e.V.
  • Förderverein Kinderparadies Friedenspark e.V., Ludwigshafen
  • Förder- und Freundeskreis der Pestalozzischule e.V., Ludwigshafen
  • Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz
  • Freundeskreis Ludwigshafen-Pasadena e.V.
  • Freundeskreis der IGSLO
  • Gewerkschaft ÖTV / Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di (seit 1976)
  • Gewerkschaft IG BCE (seit 1995)
  • Global Panel Foundation e.V.
  • Interessen- und Fördergemeinschaft Landschaftsschutzgebiet Maudacher Bruch IFLM e.V.
  • Kurt-Schumacher-Gesellschaft e.V.
  • Landesvorsitzende der Naturfreunde Rheinland-Pfalz
  • Pro Familia e.V., Ludwigshafen
  • Siedlergemeinschaft BASF-Notwende e.V.
  • Verschiedene Karnevalsgesellschaften, Ludwigshafen

Wahlkreis

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